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Bad Tölz

Unser Pate bei der Stadterhebung

Bad Tölzer Bürgermeister Anton Roth
Bürgermeister Peter Finsterwalder erhält die Amtskette

Am 6. Februar 1961 beschlossen die Marktgemeinderäte beim Bayerischen Staatsministerium des Inneren einen Antrag zu stellen, dass dem Markt Wolfratshausen die Bezeichnung Stadt verliehen wird. Vorher sollte aber noch geklärt werden, ob und welche Mehrbelastung sich daraus ergeben würden. Da bei einer solchen Verleihung eine Patenstadt notwendig sein würde, stellte man im Juni an die Stadt Bad Tölz einen Antrag, diese Patenschaft zu übernehmen.

Nachdem, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, Wolfratshausen am 09. Oktober 1961 vom Ministerium zur Stadt erhoben worden war, wurde für die offiziellen Feierlichkeiten ein Festausschuss gegründet, der aus dem 1. Bürgermeister Peter Finsterwalder, dem 2. Bürgermeister Mathias Gutmeyer und den Stadträten Alois Hugo, Otto Ehgartner, Max Roth und Alois Engelhard zusammengesetzt war. Der Termin für die Feierlichkeiten wurde auf Anfang Dezember festgesetzt.

Die Stadt Bad Tölz sagte zu, als "Taufpate" zu fungieren. Deren 1. Bürgermeister Anton Roth schrieb für die Festschrift: "Die Stadt Bad Tölz beglückwünscht den geschichtlich und wirtschaftlich bedeutsamen Markt Wolfratshausen zu seiner Stadtwerdung. Sie grüßt Bayerns jüngste Stadt und ihre Bevölkerung. Sie ist erfreut darüber, daß sie als "Patin" auserkoren worden ist und ist aufrichtig willens, alles zu tun, was dazu beiträgt, gute Nachbarschaft zu pflegen, zu festigen und zu vertiefen.
Wir wünschen, daß ein herzliches Einvernehmen einmal die gesamte Bevölkerung unserer beiden Städte umschließt und immer getragen wird von der hohen Idee der Menschlichkeit."
Gefeiert wurde am 2. Dezember 1961. Viel Prominenz erwies der jungen Stadt die Reverenz. Gottesdienste in den Kirchen gingen dem Empfang der Ehrengäste voraus. Mittelpunkt der Feiern war der Staatsakt im Filmtheater, wo Bürgermeister Finsterwalder den Wilkommensgruß sprach und die Stadterhebungsurkunde von Staatssekretär Junker entgegennahm. Junker, der in Vertretung von Staatsminister Goppel gekommen war, sagte: Mit großer Freude sei er gekommen. Für Wolfratshausen sei mit der Urkunde ein besondere Anerkennung und Auszeichnung ausgesprochen. Hier werde kein kleines Dorf auf irgendwelchen Umwegen zur Stadt gemacht, sonder ein markanter Schlussstein unter eine tausendjährige ehrwürdige Geschichte gesetzt. Ein Zentrum muss jeder Kreis haben. Um die junge Stadt Wolfratshausen sollen sich nun alle Kräfte des Landkreises sammeln und im gegenseitigen Geben und Nehmen befruchtend den Wohlstand des Ganzen fördern.

Dann kam der "Taufpate" aus Bad Tölz, Bürgermeister Anton Roth, zu Wort: "Wir Tölzer sind mit großer Freude nach Wolfratshausen gekommen, um Pate bei der Verleihung der Stadtrechte zu sein. Für Wolfratshausen, dessen reiche Geschichte ein Jahrtausend zurückreicht, bringt die Stadtwerdung die verdiente Würdigung für die kulturelle, wirtschaftliche und historische Bedeutung des Marktes. Wenn wir Tölzer die Patenschaft für die nun jüngste Stadt Bayerns übernommen haben, bedeutet dies mehr als eine freundliche Geste. Wolfratshausen und Bad Tölz sind seit jeher durch viele Gemeinsamkeiten verbunden gewesen. Ausgeprägtes Heimatgefühl, verstärkt durch ehrwürdige Tradition, zeichneten die Tölzer und die Wolfratshauser seit jeher aus. Oftmals haben unsere Vorfahren den Heimatboden mit Blut und Leben verteidigt. Ich erinnere an die Einfälle der Schweden und Panduren im Dreißigjährigen Krieg, die Wolfratshausen und Tölz heimsuchten, oder bei dem Befreiungskampf, jener patriotischen Erhebung gegen die Unterdrückung, die anno 1705 die Oberländer zur Sendlinger Bauernschlacht nach München führte.

Auch die früher recht ungebärdige Isar haben Wolfratshausen und Bad Tölz gemeinsam. Sie ist ein richtiges Frauenzimmer, von Natur aus launenhaft und gewalttätig und in ihrem Zorn zum Fürchten. Sie hat ihr Wesen ins Land hinaus getragen und über Tölz auch nach Wolfratshausen und weiter hinaus. Vom 12. Jahrhundert ab ist sie von Wolfratshauser und Tölzer Flößern befahren worden. Es waren raue Zeiten aber man verstand, auch Humor. Davon zeugt der Krautlöffel, die die Tölzer Flößer einmals den Wolfratshausern als Spottgeschenk - damit sie ja nur das "Maul" voll bekämen - überreichten. Er ist ja noch heute vorhanden. Wo allerdings der Tölzer Prügel steckt, den die Wolfratshauser als Gegengeschenk schickten, ist nicht mehr festzustellen. Eins ist aber urkundlich erhärtet und nachweisbar. Das Bierbrauen verstanden im 17. und 18. Jahrhundert die Tölzer und Wolfratshauser über die Maßen gut. Elf Brauereien in der Loisachmetropole und 22 in Tölz löschten einst den Durst, auch der Münchner Kehlen.

Und nicht zuletzt zu all dem Gemeinsamen muss ich hier darauf hinweisen, dass Wolfratshausens 1. Bürgermeister Peter Finsterwalder ja ein geborener Tölzer ist. Eine engere Bindung kann man sich wohl kaum denken.

So soll die von Tölz übernommene Patenschaft, die bisher schon so gute Nachbarschaft weiter festigen und vertiefen. Im Namen der Stadt Tölz grüße ich in dieser Stunde unser Patenkind, die junge Stadt Wolfratshausen mit ihren Bürgermeistern, Stadträten und Bürgern. Eine glückliche Zukunft sei der Stadt beschieden, deren Bürgermeister ich als Patengeschenk der Stadt Tölz die silberne Amtskette überreiche, in der die Gedenkmünze des Salzburger Erzbischofs von 1521 mit Gestalt der legendären Wolfratshauser Heiligen Redegundis eingearbeitet ist.